
(hintere Reihe von links: Orry Mittenmayer, Wolfram Bremeier, Sabine Chelmis, Ramona Kopec, Thomas Spies;
vordere Reihe von links: Ramona Steinmann, Stefanie Woborschil, Nicole Iben)
Der Neujahrsempfang der SPD Wilhelmshöhe am 22.02.2026 war kein Termin von vielen in dieser heißen Wahlkampfphase. Er war eine Reise durch Jahrzehnte politischer Überzeugung, persönlicher Entscheidungen und gelebter Demokratie durch die die Vorsitzende Nicole Iben die Gäste als Moderatorin führte.
Als Laudator sprach Thomas Spies, Vorsitzender der SPD Hessen Nord und Oberbürgermeister von Marburg. Mit sichtbarer Freude und spürbarem Respekt würdigte er vier Menschen, die der Partei über viele Jahre hinweg die Treue gehalten haben: Ramona Kopec für zehn Jahre, Mark Richardt für fünfundzwanzig Jahre, Sabine Chelmis für beeindruckende vierzig Jahre und Wolfram Bremeier für sechzig Jahre Mitgliedschaft.
Sechzig Jahre. Das ist mehr als eine Parteibiografie. Das ist ein Stück bundesdeutsche Geschichte.
In kurzweiligen Reden zeichnete Spies nicht nur politische Stationen nach, sondern erzählte von Beweggründen. Warum tritt man in eine Partei ein? Was hält einen über Jahrzehnte dabei? Und warum lohnt sich das noch immer?
Die Antworten waren so unterschiedlich wie die Lebenswege selbst. Persönliche Erfahrungen spielten eine Rolle. Der Wunsch nach sozialer Gerechtigkeit. Die Überzeugung, dass Herkunft nicht über Chancen entscheiden darf. Die Erfahrung von Solidarität in schwierigen Zeiten. Für manche war es ein konkretes politisches Ereignis, für andere das Elternhaus und Erlebnisse. Politische Gründe, ja. Aber immer auch persönliche.
Gerade Wolfram Bremeier machte in seiner anschließenden kurzen Rede deutlich, dass Engagement keine nostalgische Geste ist, sondern eine aktuelle Notwendigkeit. Demokratie und Freiheit seien keine Selbstverständlichkeiten, sagte er. Sie müssten verteidigt werden, heute mehr denn je. Sein Appell war klar: Mitmachen statt zuschauen. Ein Lob für alle, die Verantwortung übernehmen. Und eine Einladung an jene, die noch zögern.
Zum Nachdenken regte auch Orry Mittenmayer an. Der Autor des 2024 bei Kiepenheuer und Witsch erschienenen Buches „Ausgeliefert“ sprach über Bildungsgerechtigkeit und Beschäftigung. Über prekäre Arbeitsbedingungen, über Rechtsverstöße bei Fahrradlieferdiensten und über die Frage, was soziale Demokratie heute konkret bedeutet. Sein Impuls war unbequem und genau deshalb passend zu einem Vormittag, der nicht nur feiern, sondern auch wachrütteln wollte.
Doch bei aller Ernsthaftigkeit blieb Raum für Leichtigkeit. Musikalisch begleitet wurde der Empfang von Gerd Hallaschka und Harald Wehnhardt, die für den passenden Klang. Das Team des Scenario rundete den Vormittag gastronomisch ab und trug zur offenen, fast familiären Atmosphäre bei.
Am Ende stand kein großes Pathos, sondern etwas vielleicht Wertvolleres: Der Eindruck, dass politisches Engagement mehr ist als ein Parteibuch. Dass es um Haltung geht. Um Verantwortung. Und um die Überzeugung, dass es sich lohnt, sich einzumischen.








